Nachlese

Ein Chormitglied stellt sich vor


Lieber Rainer,

du bist jetzt seit einem guten Jahr Mitglied unseres Chores und wir würden uns freuen, wenn du deinen Mitsängerinnen und Mitsängern sowie dem musikbegeisterten Publikum der Gemeinde Vaterstetten ein bisschen über dich erzählen würdest.

Rainer: ich bin 46 Jahre alt und singe seit ich 12 Jahre alt bin in Chören, Ensembles und auch solistisch - die Literatur reicht von Gregorianik bis Jazz und zeitgenössischen Kompositionen. Ich kann also sagen, dass das Singen eine Leidenschaft von mir ist und ich auch einiges an Erfahrung mitbringe. Ich gehe aber auch gerne in die Oper, ins Konzert und ins Theater.

Claudia: Als erstes interessiert uns natürlich, wie du auf unsere Chorgemeinschaft aufmerksam geworden bist.

Rainer: Ich bin im Januar 2008 nach Oberschleißheim gezogen und suchte ganz aktiv einen Chor, übers Internet bin ich dann auf die Chorgemeinschaft gestoßen. Interessant fand ich das Repertoire, das Konstantin Köppelmann mit der Chorgemeinschaft zur Aufführung bringt.

Claudia: Wie ist es dir in der ersten Probe ergangen? Welches Werk wurde geprobt?

Rainer: In der ersten Probe wurde an den weltlichen Bachkantaten geprobt und die sind echt anspruchsvoll. Ich bin ja auch erst eingestiegen, als der Chor schon ein paar Wochen probte. Das war ein harter Anfang, aber das war mir vorher schon klar - ich hatte ja schon vorher Chorerfahrung. da darf man sich nicht schrecken lassen, nach ein paar Proben wird's besser. Und Konstantin und die Mitsänger im Tenor waren ja auch geduldig - so fand ich ganz gut rein.

Claudia: Wann war dein erstes großes Konzert mit der Neuen Chorgemeinschaft und wie hast du es erlebt?

Rainer: Mein erstes großes Konzert war die Aufführung der weltlichen Bachkantaten im Rathaus Vaterstetten. Ein Konzert ist ja immer der Höhepunkt der Chorarbeit und wie immer ist man ein wenig nervös. Ich war von dem Klangerlebnis mit dem Orchester wirklich sehr beeindruckt.

Claudia: Was reizt dich an der musikalischen Arbeit in diesem Chor?

Rainer: Ich habe noch in keinem Chor gesungen, der sich mit Literatur beschäftigt, die selten oder gar nicht aufgeführt wird. Für mich hat es keinen Reiz das Weihnachtsoratorium, den Messias oder irgendwelche anderen "Schlager"  der Chorliteratur aufzuführen. Chöre, die das machen gibt's ja in und um München zuhauf -  und das mit den unterschiedlichsten Qualitätsansprüchen. Die Chorgemeinschaft hat einen hohen musikalischen Anspruch, den sie auch umzusetzen weiß - das finde ich toll.

Claudia: Mit welchen Schlagwörtern würdest du versuchen potentielle Neumitglieder zu überzeugen in unseren Chor zu kommen?

Rainer: Wenn du Lust hast mit netten Leuten außergewöhnliche Chorliteratur zu singen und zur Aufführung zu bringen bist du bei uns richtig.

Claudia: Lieber Rainer, wir danken dir für dieses Gespräch und wünschen dir noch viele tolle musikalische Erlebnisse mit der Neuen Chorgemeinschaft Vaterstetten.

 

Mein Mann - ein Tenor

„Ich will in der Neuen Chorgemeinschaft mitsingen“, erklärt mir eines Abends mein Mann. Er ist ein Tenor, sowas braucht jeder Chor dringend. Außerdem singt er gern, aber nicht Wanderlieder, sondern was Anspruchsvolles. Und Musik entspannt, stärkt die Nerven, verlängert das Leben.

Leuchtet mir ein, bin einverstanden. Montags von 20-22 Uhr ist Chorprobe, Konzert ein- bis zweimal pro Jahr. Das lässt sich neben Gartenarbeit, Radlfahren, Enkelhüten und einigen anderen dringenden Rentneraufgaben verkraften, denke ich.

Chorprobe. Es wird 22.30, 22.45 Uhr...

Mein Mann noch nicht zu Hause. Was ist los? Ein Anruf: „Ja, wir müssen noch bei einem Bier abspannen und Wichtiges bereden.“ Gut, ich lege mich schlafen. Mein Mann bringt einen Packen Noten mit heim. Sitzt im Sessel, vertieft in die Komposition. Brummelt etwas leise Gesangsartiges vor sich hin. Streicht mit einem gelben Leuchtstift gewisse Tenorpassagen an. Äußert sich begeistert über die gegenwärtig eingeübte Musik. „Sing mir doch mal was von deiner Stimme vor“, bitte ich. Das weist er weit von sich. Eine Stimme allein ist nichts. Es wirken nur alle zusammen. Es ist ja ein Chor...

Na ja. Vielleicht beherrscht er seinen Part noch nicht richtig.

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Da capo

Die Probe - oder „Was wir alles können sollen“

Montag Abend...

Im Chor gibt es die Aktiven, die Macher, und die Passiven, die Mitläufer. Es sind immer Dieselben. Erstere transportieren und montieren Podien, kleben Plakate, stellen Stühle auf, auf die sich letztere, 5 nach 8 reingeschlüpft, dann schnell setzen. Der angestammte Platz wird eifrig verteidigt: man singt ja schließlich schon 10 Jahre und mehr auf dem gleichen Stuhl, neben dem gleichen Nachbarn. Es erleichtert im Übrigen auch dem Dirigenten die Orientierung: er weiß gleich in welche Richtung er seine strafenden Blicke senden muss! Nur im Konzert wird man etwas flexibler. Da geht es dann um Körpergröße, um Blickkontakt zum Dirigenten und darum, dass man einen guten Sänger entweder unmittelbar neben oder hinter sich weiß.

Aufstehen zum Einsingen...

...nicht unbedingt beliebt, aber unerlässlich zum Schmieren der Stimmen, beginnend mit he-he-he und A-i-i-da und endend mit einer Rutschbahn vom ganz hohen Diskant bis in den tiefsten Keller.

Setzen...

...das Gequatsche beginnt: ein neues Werk. Wir halten sie in den Händen, die unbekannten Noten, noch jungfräulich rein, ausgewählt nicht etwa durch einen demokratisch legitimierten Mehrheitsbeschluss, sondern aufgrund einer einsamen Entscheidung unseres Chefs: schließlich weiß er allein ums Machbare. Die Soprane schielen nach den hohen Tönen: Wer hat Angst vorm hohen A? Die Tenöre danach, wie oft ihre Stimme geteilt und sie quasi solistisch auftreten müssen.

Zitate

„Pst, pst, Ruhe! Bitte nicht reden, wenn ich rede!“

Es geht los...

...„Gar ned schlecht, aber noch a bissl Verhau halt! Die Damen bitte auseinandergenommen. Sehr schönes A im Sopran, diesmal habt Ihr überraschender Weise keine Angst vor dem hohen A gehabt!“

„Wirklich gar ned schlecht, Klasse. Es hängt nur noch an den entscheidenden Stellen!“

„Die Damen bitte. Nein, nicht so reinbrettern, so trompeten! Da biegt's einem ja die Zehennägel auf!“

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Der gerade Weg

Zum 10-jährigen Jubiläum der Neuen Chorgemeinschaft
Aus der Festschrift 2006

Als sich nach meinem Weggang der Chor des Kulturvereins Zorneding praktisch über Nacht auflöste, hat wohl niemand geahnt, dass sich die daraufhin entstandene neue Formation mit  eigenem Vereinscharakter allen Unkenrufen und allen Befürchtungen zum Trotz als gesundes und durchaus lebensfähiges Instrument erweisen würde.

Die Initiative kam von den Chormitgliedern selbst und nachdem die ersten rasanten Schritte in Richtung eines neuen Vereines getan waren, wurde mir die Leitung des „neuen“ Chores angetragen.

Als Realist mit gesundem Einschätzungsvermögen der Lage war ich zunächst wie viele andere äußerst skeptisch, ob dieses mit enormem Enthusiasmus angegangene Unterfangen Bestand haben könnte. Zur Realisierung dieses ehrgeizigen Projektes waren ja neben der simplen Singfähigkeit des Chores auch viel schwierigere Dinge wie die finanzielle Absicherung und der Aufbau des Vereins, sowie die gesamte, oft sehr weit reichende Organisation der musikalischen Projekte  zu klären.

Als „einfacher“, nur für die musikalische Leitung zuständiger Chorleiter schien mir das dafür nötige „Gegengewicht“ ungeheuer weitreichend und umfassend – um nicht „beängstigend“ zu sagen.

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