Deutsche und Englische Romantik 2007

Samstag 23. Juni 2007 - Kostbares Blut / Vaterstetten
Sonntag 24. Juni 2007 - Pfarrkirche Grafing


JOSEPH GABRIEL RHEINBERGER

Messe d-Moll Op. 83
(bearbeitet für Chor und Orgel)

Werke von S.S.Wesley, C. Franck, O. Messiaen und H.B. Gardiner

Der am 17. März 1839 im liechtensteinischen Vaduz geborene Joseph Gabriel Rheinberger war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Größe von europäischem Rang. Auch wenn seine Werke heute eher selten aufgeführt werden,  gehörte er mit zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit, an den Verleger, Musiker und Chöre mit Kompositionsaufträgen herantraten. Als Hofkapellmeister des bayerischen Königs Ludwigs II. nahm er seit 1877 eine zentrale Position innerhalb der katholischen Kirchenmusik in Deutschland ein. Er komponierte zahlreiche lateinische Messen und Motetten, die in ihrer betonten Unabhängigkeit von den einengenden Vorschriften der cäcilianischen Kirchenmusikreformer seiner Zeit wegweisend waren und war als Kompositionslehrer am Münchner Konservatorium eine Kapazität von internationalem Rang. Zu seinen Schülern zählten unter anderen Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari und Wilhelm Furtwängler sowie eine ganze Generation junger amerikanischer Komponisten.


Der große Erfolg der Musik des am 25. November 1901 in München gestorbenen Komponisten beruhte auf seiner eher konservativ-klassizistischen Kompositionsweise, der er sich – wie auch Johannes Brahms – sehr verpflichtet fühlte und deren Klangwelt sich uns auch heute noch sehr spontan erschließt. Rheinbergers „Messe d-moll“ Op. 83 wurde 1873 komponiert. Das relativ knapp konzipierte Werk umfasst das gesamte Ordinarium der Mess-Liturgie und sieht nur einen unbegleiteten 4- bis 5-stimmigen Chor vor. Die neue Chorgemeinschaft singt die Messe in einer von Konstantin Köppelmann erweiterten Fassung für Chor und obligate Orgel.

Samuel Sebastian Wesley (1810 – 76) entstammte einer großen englischen Musiker-Familie in der traditionell aber auch Kirchenämter verbreitet gewesen sind. Wesleys großes Anliegen war die Wiederbelebung der Anfang des 19. Jahrhunderts durch starre Vorschriften und fehlende Professionalität im absoluten Niedergang begriffenen gottesdienstlichen Chormusik – ein Phänomen mit dem sich auch Wesleys Zeitgenossen Rheinberger und Mendelssohn in Deutschland lebhaft beschäftigten. Wesley kann als wichtiger Wegbereiter für alle späteren englischen Komponisten wie z.B. Edward Elgar oder John Ireland gelten, die anspruchsvolle Musik für den Gottesdienst schrieben. Seine beiden in deutscher Übersetzung gesungenen Werke „Gelobt sein Gott“ und „Du erhälst den im Frieden dein“ weisen der Orgel eine Funktion zu, die zwar deutlich über den rein begleitenden und unterstützenden Charakter hinaus führt, aber Chor und Orgel zu einer klanglichen und  harmonischen Einheit verschmilzt, ohne das solistische Moment als Selbstzweck in den Vordergrund zu stellen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Hymus für das Abendgebet „Te lucis ante terminum“, in einer Vertonung des Engländers  David Balfour Gardiner (1877 – 1950). Das für 6-stimmigen Chor und Orgel geschriebene Werk wurde 1908 zum ersten Male veröffentlicht und stammt aus einer Zeit, in der anspruchsvolle Chormusik mit Orgelbegleitung in England wieder zu einem festen Bestandteil von Gottesdiensten gehörte.

César Franck (1822-1890) gelang es zwar, während seines Studiums am Pariser Konservatorium die Professoren mit seinem Klavierspiel zu beeindrucken, doch der große Erfolg als Komponist von Kammermusik- und Bühnenwerken blieb ihm verwehrt. 1858 trat er die Organistenstelle an der Kirche St. Clothilde in Paris an, die er bis zu seinem Tode inne hatte. Er begann selbständige Musik für Orgel zu schreiben und  wurde 1872 Professor für Orgel am Pariser Konservatorium.

Olivier Messiaen (1908-92) schöpfte für seine Musik Anregungen aus dem Studium der Zahlenmystik, indischer Rhythmen, der Gregorianik, des Vogelgesangs, der Klangwelt javanischer Gamelan-Orchester oder der Musik Claude Debussy und Igor Stravinsky. Über diese sehr verschiedenartigen Inspirationen hinaus ist seine Musik aber auch von großer spiritueller Energie und einem tiefen, katholischen Glauben geprägt und reflektiert auch in starkem Maße die Assoziation von Farben mit Klängen: "Mein heimliches Verlangen nach feenhafter Pracht in der Harmonie hat mich zu diesen Feuerschwertern gedrängt, diesen jähen Sternen, diesen blau-orangenen Lavaströmen, diesen Planeten von Türkis, diesen Violettönen, diesem Granatrot wuchernder Verzweigungen, diesem Wirbel von Tönen und Farben in einem Wirrwarr von Regenbögen." Die Tatsache, dass Messiaen seine Kompositionstechniken 1944 in der Abhandlung Technique de mon language musical formulierte und diesen Prinzipien eigentlich sein ganzes weiteres Leben treu blieb, führt zu dem in sich geschlossenen, unverkennbaren "Messiaen-Stil", der sich durch alle seine Werke zieht. „Adoro te“ stammt aus dem 1984/85 komponierten 18-teiligen Orgelzyklus „Livre du Saint-Sacrement“.


Programm


César Franck (1822 – 1890)
„Chorale h-moll“ für Orgel

Samuel Sebastian Wesley (1810 – 1876)
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn, Jesu Christi“
für 4-stimmigen Chor und Orgel

Olivier Messiaen (1908 – 1992)
„Adoro te“ aus «livre du saint sacrément » für Orgel

Samuel Sebastian Wesley (1810 – 1876)

“Du erhältst den im Frieden dein“
für 5-stimmigen Chor und Orgel

Joseph Gabriel Rheinberger (1839 – 1901)
„Messe d-moll“ Op. 83
In der Bearbeitung für Chor und Orgel von K. Köppelmann
Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei

H. Balfour Gardiner (1877 – 1950)
“Te lucis ante terminum”
für 6-stimmigen Chor und Orgel