Historie 2003
Der schwedische Mozart
Sonntag, 6. Juli 2003 Gesellschaftshaus Haar
Samstag, 12. Juli 2003 Mehrzweckhalle Oberpframmern
Sonntag, 13. Juli 2003 Rathhaus Vaterstetten
JOSEPH MARTIN KRAUS
"PROSERPINA"
Konzertante Erstaufführung in deutscher Sprache
Proserpina - Prsika Eser-Streit (Sopran)
Ceres - Ulrike Wagner (Sopran)
Cyane - Christina Landshamer (Sopran)
Atis - Michael Elliscasis (Tenor)
Faun/Merkur - Klaus Steppberger (Tenor)
Pluto - Ingolf Kumbrinck (Bariton)
Jupiter - Thomas Ruf (Bariton)
Neue Chorgemeinschaft Vaterstetten
Denninger Kammerorchester
Leitung und Cembalo: Konstantin Köppelmann
„Proserpin“ – nach der Schreibweise des schwedischen Librettos von Kellgren – wurde von Kraus vermutlich im Sommer 1780 begonnen. Am 14.9. schreibt Kraus an seine Eltern, dass die „Komposition nun meist fertig“ sei. Am 11.3. 1781 kann er berichten, dass die Proben bereits im Gange sind.
Das letzte Zeugnis über die Oper besitzen wir in Form eines berühmten Briefes vom 14.6.1781:
„Endlich (1.6.) ward meine Arbeit auf dem königlichen Lustschlosse Ulrichsthal vor dem Könige aufgeführt, da ich dann Erlaubnis bekam, sie selbst aufzuführen. Der Hof war außerordentlich damit vergnügt und die Art, mit der der König (Gustav III.) mir seine Zufriedenheit erklärte, war über alle meine Erwartung. Sogleich nach geendigter Musik unterhielt sich der König über eine Viertelstunde mit mir: machte mir erst ein recht artiges Kompliment, frug mich von dem und jenem und maß mich mit seinen großen Augen von Kopf bis Fuß, und ich nach meiner alten löblichen Weise nahm mir die Freiheit, den großen Monarchen durch und durch zu begaffen, und das – wie ich nachgehends erfahren habe, hat ihm just wohlgefallen. Weil in der Eintheilung der Poesie noch etwas abgeändert werden soll, so kann freilich die Oper vor dem Herbste nicht gegeben werden; aber dann kann ich mir auch auf ein schönes Present Hoffnung machen“.
Das heute nur noch fragmentarisch erhaltene Schlosstheater Ulrichsthal ist eine 1753 von Carl Fredrik Adelcrantz umgebaute ehemalige Reithalle mit wenigen Zuschauerplätzen und einer relativ kleinen Bühne. Die Aufführung im Juni 1781 muss wohl eine Art „private Voraufführung“ im Beisein von Mitgliedern des königlichen Hofes gewesen sein, denn nach diesem Datum findet sich seltsamer Weise keine weitere Nachricht über „Proserpin“ obwohl Kraus vom musikbegeisterten König Gustav III. in der Folge zum Kapellmeister der königlichen Oper ernannt worden war.
Im August 1781 begann Kraus mit der Arbeit an „Aeneas in Carthago“ (ebenfalls mit einem Text von Kellgren) als Auftragsarbeit für die Einweihung des neuen Stockholmer Opernhauses – eine Mammutoper mit Prolog, fünf Akten und fast sechs Stunden Musik, die aber erst 1799, sieben Jahre nach Kraus’ Tod, und auch nur in verstümmelter Form uraufgeführt wurde. Das leider im 19. Jh. abgerissene, neue und prächtige Opernhaus von Adelcrantz in Stockholm wurde jedenfalls am 30.9.1782 mit „Cora und Alonzo“ von Joh. Gottlieb Naumann eingeweiht.
Erst 199 Jahre nach der ersten Aufführung erfolgte 1980 die eigentliche Premiere von „Proserpin“ im Schlosstheater Drottnigholm.
Ein Druck der Partitur (mit schwedischem Text) ist seit längerem in Vorbereitung, für unsere Aufführungen haben wir jedoch eine Fotokopie der originalen Handschrift von Kraus benutzt, die uns freundlicher Weise von der königlichen Bibliothek in Stockholm zur Verfügung gestellt wurde. Daraus wurde mit Computersatz das gesamte Material hergestellt. Das neue deutsche Libretto ist die Übertragung einer deutschen Prosaübersetzung in Versform von Konstantin Köppelmann, mit Hilfe von Friedrich Schwarz und Johan Jansson.