Händel 2000
2. Dezember 2000 - Martinstadl / Zorneding
3. Dezember 2000 - Mehrzweckhalle / Oberpframmern
GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
"ACIS AND GALATHEA"
konzertante Aufführung in englischer Sprache
Beate Gartner - Sopran (Galathea)
Michael Elliscasis - Tenor (Acis)
Klaus Steppberger - Tenor (Damon)
Patrick Weglehner - Baß (Polyphem)
Neue Chorgemeinschaft Vaterstetten
Denninger Kammerorchester
Leitung und Cembalo: Konstantin Köppelmann
Das eigenwillige und oft nur schwer nachvollziehbare Schicksal einzelner Werke eines Komponisten zeigt sich exemplarisch auch an „Acis and Galathea“ von Georg Friedrich Händel. Zu Lebzeiten des Komponisten war diese „Masque“ eines der am häufigsten gespielten Werke Händels überhaupt. Bis 1750 sind über 70 (!) Aufführungen dieser 1718 komponierten Oper belegt, wobei Händel das Werk immer wieder umarbeitete und auch auf seine noch früher entstandene italienische Oper „Aci, Galathea e Polifemo“ zurückgriff. Kein Geringerer als W.A.Mozart fertigte sogar noch 1788 eine heute allerdings eher vom Musikgeschichtlichen her interessante eigene Bearbeitung des Werkes an; sowohl Mendelssohn wie auch Meyerbeer beschäftigten sich noch im 19. Jahrhundert mit diesem Stück.
Als Gipfel des Kuriosen kann die Tatsache gesehen werden, dass der Eingangschor von „Acis and Galathea“ mit neuem italienischen Text in der von Johann Christian Bach für Neapel verfertigten Bearbeitung von Glucks „Orfeo“ erscheint! Die ungebrochene Popularität von Händels Musik zeigt sich hier wohl am deutlichsten – fast 75 Jahre nach ihrer Entstehung eigentlich sogar eine Sensation im musikalisch fast nur „avantgardistisch“ orientierten 18. Jahrhundert.
1708 schrieb Händel noch in Neapel die italienische „Serenata a tre“ „Aci, Galathea e Polifemo“, welche wiederum als Vorlage für die 1718 für den Duke of Chandos in London komponierte Version diente. Das Libretto des auf den Metamorphosen des Ovid basierenden ursprünglichen Stückes war damals bereits über 50 Jahre alt und war schon 1660 von Charpentier und 1686 von Lully vertont worden.
Für eine Aufführung auf dem Sommersitz Cannons bei London komponierte Händel weite Teile der Musik neu, der text wurde ins Englische übertragen und die Besetzung der relativ kleinen Privatkapelle der Herzogs von Chandos angepasst. Dies erklärt auch das Fehlen der Viola im Orchester, die Eliminierung mehrerer Nebenrollen und die eigenartige 5-stimmige Besetzung der ursprünglich nur von Männern und Knaben gesungenen Chöre. Diese, auf ganz bestimmte Gegebenheiten hin konzipierte Fassung von 1718 wurde sehr bald überarbeitet, um sie einem größeren Kreis von Musikliebhabern zugänglich machen zu können. Händel selbst besorgte dann in den Jahren 1739 und 1742 noch einmal eine neue Einrichtung der Musik, wobei er das Orchester erweiterte, einen zusätzlichen Chor und neue Arien komponierte. Unsere Fassung beruht auf der ursprünglichen Version von 1718 mit Ausnahme des von Händel neu komponierten Chores „happy we“ der Fassung von 1739. (K.K.)